Ehepaar Ravinder aus Indien
Anny und Timothy Ravinder waren Gäste aus Indien und bis Mai 2008 hier in Rheinfelden als Ökumenische Mitarbeiter in der Evang. Landeskirche in Baden mit Schwerpunkt Südbaden tätig, außerdem übernehmen sie Gemeindeaufgaben in der Christusgemeinde Rheinfelden. Inzwischen sind sie auf einer Pfarrstelle in der Heimatdiözese Coimbatore, in der St. Luke‘s Church in Kotagiri.
Pfarrer Timothy Ravinder, geb. 1958 ordiniert 1997 in Coimbatore Diözese, CSI4 Jahre Gemeindepfarrer einer Stadtgemeinde mit Teilauftrag als Militärspfarrer
2 Jahre Leiter des Kirchenzentrums in Chennai (Theologischer Leiter und Verwaltungsleiter).
Verheiratet mit Anny Ravinder, geb. 1967.
Mitarbeiterin der Frauenarbeit und Weltgebetstag.
Zwei Söhne, Jithendar, geb. 1985, Student in Indien und Ajith, geb. 1987, Schüler in Indien.
Erreichbar unter:
Bis Mai 2008 waren Timothy und Anni Ravinder als Gäste aus Indien hier in Rheinfelden.Interview in der Badischen Zeitung am 04.04.2006
“Ich möchte mehr Nähe zwischen Pfarrer und Gemeinde herstellen”BZ-Interview mit Timothy und Anny Ravinder, die als ökumenische Mitarbeiter in der Landeskirche eingesetzt sind / Ideen für einen lebendigen GottesdienstHalbzeit für Pfarrer Timothy Ravinder. Seit Juni 2003 arbeiten der Gemeindepfarrer aus Coimbatore in Südindien und seine Frau Anny im Rahmen eines fünfjährigen Vertrages mit der Evangelischen Landeskirche in der Christusgemeinde. Claudia Gempp sprach mit den Eheleuten über deren Erfahrungen.
BZ: Herr Pfarrer Ravinder, wie kam es überhaupt zu diesem Kontakt?
Ravinder: Die südindische Kirche ist aus der Arbeit der Basler Mission hervorgegangen und mit der badischen Kirche verbunden durch die Gemeinschaft im Evangelischen Missionswerk Südwestdeutschland, Stuttgart. Ich bin der einzige Pfarrer aus Südindien, der in der Landeskirche eingesetzt ist. Die Landeskirche hat mich und meine Frau als ökumenische Mitarbeiter eingeladen und ich freue mich, gerade in dieser Gegend arbeiten zu können, denn bereits mein Großvater wurde von der Basler Mission bekehrt.
BZ: Welche Aufgaben erfüllen Sie und Ihre Frau?
Ravinder: Ich habe einen Teilauftrag als Gemeindepfarrer in der Christusgemeinde. Meine weitere Arbeit umfasst zusammen mit dem Landeskirchlichen Beauftragten für Mission und Ökumene in Südbaden die Mitarbeit bei Tagungen in der Tagungsstätte Beuggen, Veranstaltungen für Pfarrkonvente und Besuche in Gemeinden der badischen Landeskirche im gesamten Bereich von Konstanz bis Emmendingen, Gottesdienste, Konfirmanden- und Schulunterricht. Ein Hauptanliegen ist für uns, die Kirche von Südindien vorzustellen, insbesondere zu den Themen Dalits (ehemalige Kastenlose), Frauenarbeit, christliches Zeugnis heute, Fragen zur politischen Situation, Berichte zur Wiederaufbauarbeit als Folge der Tsunamikatastrophe, aber auch was es bedeutet mit verschiedenen Religionen zusammen zu leben. Ebenso möchte ich die Fragen zur Missionsgeschichte und Globalisierung beantworten. Es gibt ein großes Interesse an dem Kastenproblem in Indien und wir wollen die Probleme von Mädchen in den Vordergrund unsere Informationsarbeit stellen.
BZ: Was machen Sie Frau Ravinder?
Anny Ravinder: Ich engagiere mich bei der Stadtranderholung, im Frauenkreis in Südbaden und arbeite zweimal wöchentlich als ehrenamtliche Helferin im Tafelladen. Es ist eine außergewöhnliche Erfahrung zu sehen, wie man den Überfluss für andere nutzen kann, die nicht so viel haben. Weil wir die Armut in Deutschland kennen gelernt haben und aus der Gemeindearbeit von den Sorgen der Arbeitssuchenden wissen, wollen wir solidarisch mit den Armen in Deutschland sein. Wenn wir in den Gemeinden hier von Indien berichten, erfahren wir viel Solidarität. Wir haben Hilfe für Tsunami-Opfer erhalten und wir erhalten Hilfe für Mädchen, die in Indien benachteiligt sind und ausgebeutet werden, auch sexuell. Für diese Solidarität sind wir sehr dankbar. Ich möchte nicht nur Solidarität empfangen, sondern auch ein Zeichen von Solidarität mit den Armen in Rheinfelden geben, indem ich ehrenamtlich im Tafelladen mitarbeite.
BZ: Was für Erfahrungen haben sie bislang bei uns gemacht und was hat Sie am meisten beeindruckt?
Pfarrer Ravinder: Am Anfang war etwas schwierig für uns, hauptsächlich wegen der Sprache, aber die Menschen sind freundlich und haben uns viel geholfen auch die Teamarbeit in der Gemeinde ist bis jetzt gut gelaufen. Unverzichtbar ist für mich aber auch die Unterstützung meiner Frau Anny. Zuerst habe ich mich als Lehrer gefühlt, denn ich wollte etwas vermitteln, aber jetzt habe ich das Gefühl ein Schüler zu sein, weil es hier in der Ökumene so viele Möglichkeiten gibt, Neues zu erfahren, zum Beispiel die gute und regelmäßige Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche und mit der Stadtverwaltung, ganz besonders die Unterstützung durch den Oberbürgermeister. Das ist für mich faszinierend, weil es so etwas bei uns nicht gibt. In Indien bietet sich wenig Möglichkeit für Ökumene. Mir imponiert auch das freiwillige ehrenamtliche Engagement in den Gruppierungen der Kirchengemeinde..
BZ: Haben Sie weitere konkrete Ziele für ihre hiesige Arbeit?
Pfarrer Ravinder: Ja. Ich möchte vor allem noch mehr Nähe herstellen zwischen dem Pfarrer und der Gemeinde und etwas dazu beitragen, wie man den Gottesdienst lebendiger machen kann, zum Beispiel mit mehr indischer Spiritualität und Meditation. Außerdem will etwas dazu beisteuern, wo und wie die Kirche mehr Geld sparen kann.
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